„Germany“ ist hier groß im Fokus

160120 - Marlena 9_1

Hallo aus dem eiskalten Omaha!

Hier ist es bitter, bitter kalt. Jetzt gerade haben wir -10 Grad Celsius. Schneeschippen ist also angesagt.

Gestern war der dritte Montag im Januar und somit wurde hier in den Vereinigten Staaten der Martin-Luther-King-Jr.-Day gefeiert. Gefeiert ist wohl etwas übertrieben, wir hatten Schulfrei. MLK Jr. Kämpfte für Menschenrechte und die Gleichberechtigung. Er wurde jedoch im Jahre 1968 erschossen, und somit gedenkt man seiner mit einem Feiertag an jedem dritten Montag in Januar.

Hier ist immer noch sehr viel auf der politischen Ebene los. Trump, über den ich ja schon ein wenig geschrieben habe, Hillary Clinton, die für die Demokraten ebenso kämpft wie Bernie Sanders; und jetzt mischt Sarah Palin noch mal alles richtig auf!

Viele Amerikaner, mit denen ich gesprochen habe (eigentlich alle), haben keine Ahnung, wen sie wählen sollen. Ihre Einstellungen zu den einzelnen Kandidaten lassen sich eigentlich wie folgt zusammenfassen:

  • Trump zwar ehrlich – aber gefährlich.
  • Clinton zwar weiblich – aber leere Versprechung.
  • Sanders gute Ideen – aber keine Ahnung, wie umzusetzen.

Es ist ja auch schwierig, sich da zu entscheiden. Die Amerikaner, mit denen ich gesprochen habe, waren meistens keine Trump-Fans. Jedoch ist heute bekannt geworden, dass Sarah Palin Trump unterstützen wird. Dies ist meines Erachtens nicht gut, da sie – um‘s einfach zu sagen – eine sehr beliebte Republikanerin ist, und durch ihre Unterstützung könnte die Anzahl der Trump-Wähler gefährlich steigen. Das hilft vielen republikanisch gestimmten Wählern bei der Entscheidung.

„Germany“ ist hier groß im Fokus – besonders Trump schlachtet die Geschehnisse am Silvester-Abend für seine Zwecke aus.

Wir hatten eine Diskussion darüber auch in meiner Deutsch-Klasse. Ich bin unglaublich wütend geworden über manche Aussagen. Mit einer Ausnahme haben die Schüler unglaublich verallgemeinert. Es wurde gesagt, alle Muslime hätten ein falsches Frauenbild und dass die Muslime alle Christen töten wollten. Diese Einstellung und die Äußerung, dass man gefährliche Gruppen sofort auslöschen sollte, sind ganz schön beängstigend. Ich habe den Eindruck, dass viele Schüler an meiner Schule sehr leicht für Krieg zu begeistern sind.

160120 - Marlena 9_2Die anschließende Diskussion über Ethik und Moral, über die „Überlegenheit der westlichen Zivilisation“ und über die unglaubliche Leichtfertigkeit, für Krieg und Gewalt einzutreten, spare ich mir jetzt. Vielleicht nur so viel: Mich erinnerte das schon etwas an Kindergarten: „Der hat aber zuerst angefangen!“

Natürlich ist das ein unglaublich sensibles Thema und mir ist bewusst, dass hier auch viel Angst im Spiel ist, besonders weil die Anschläge von 9/11 hier noch immer sehr präsent sind und bei den Amerikanern tief sitzen. Jedoch glaube ich auch, dass hier eine ganze Menge Unwissenheit und Unbildung spricht: Hier gibt es kaum Muslime. Sie werden aber sofort mit dem IS in Verbindung gebracht. Mich macht dieses Schwarz-Weiß-Denken unglaublich wütend. Ich bin der festen Überzeugung, dass Krieg keine Lösung ist. Vielmehr sollte man es zuerst Kommunikation versuchen.

Aber gut, dies sind meine Erfahrung mit 10 Schülern und nicht mit allen.

Ich werde weiterhin versuchen, meinen Mitschülern meine Sicht auf die Dinge näherzubringen, und mir auch ihre Ansichten anzuhören. Bei so manchen fällt mir dies aber durchaus schwer. Auch stelle ich fest, dass ich die Qualität deutscher Schulen zu schätzen lerne 😉

Bye Bye

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