Ich habe meinen letzten Monat in Nebraska vor mir

160607 - Marlena 13-1

Hallo,

nun habe ich meinen letzten Monat in Nebraska vor mir, und mir könnte es eigentlich nicht besser gehen. Ich freue mich natürlich schon darauf, meine Familie in Hamburg in den Arm zu nehmen.

Eine traurige Nachricht erreichte mich aus Deutschland: Mein Bruder Till hat gerade so ziemlich alles verloren, was er besaß, weil seine Wohnung abgebrannt ist. Niemandem ist etwas passiert. Trotzdem wünschte ich, für ihn da sein zu können. Jedoch möchte ich auch meine Familie hier nicht verlassen.

Meine alte Gastfamilie und ich stehen leider gar nicht mehr im Kontakt. Ich bereue es jedoch ganz und gar nicht, die Familie gewechselt zu haben. Auf diese Weise hatte ich jetzt ein weiteres Mal die Chance, Amerika aus einer noch anderen Perspektive kennenzulernen. Es ist verrückt, wie schnell man wirklich enge Beziehungen knüpfen kann. Und nun sind diese Monate so schnell vergangen. Bevor es nach Hamburg zurückgeht, genieße ich meine Ferien in vollen Zügen und verbringe so ziemlich jede Minute mit Monica und ihrem Freund Trevor. Das Wetter ist superschön. Also gehen wir campen, in den Park oder sonnen uns einfach im Garten.

160607 - Marlena 13-3

Nochmal ein bisschen was zur Politik: Ted Cruz ist freiwillig aus dem Vorwahlkampf ausgeschieden. Das heißt: Donald Trump wird für die Republikaner antreten. Es ist noch nicht formell sicher, ob die Demokraten Hillary Clinton oder Bernie Sanders aufstellen. Alle Vorzeichen stehen aber auf Clinton.

Es ist immer wieder amüsant, dass jeder Amerikaner den US-Wahlkampf als Zirkus bezeichnet. Damit stimme ich glatt über ein. Politik muss etwas sein, das man ernstnehmen kann. Es ist schließlich auch eine wichtige Sache, in welche Richtung sich ein Land bewegt. Sieht also nicht so gut für die Zukunft von Amerika aus.

Ziemlich schockiert hat mich die Diskussion um „Transgender-Toiletten“. Was spielt es denn für eine Rolle, ob eine Frau, die sich als Mann fühlt, in der Männertoilette uriniert oder nicht. Es ist buchstäblich nur auf die Toilette gehen. Als gebe es keine wichtigeren Dinge: Gleichzeitig lief ein Öl-Tank im Golf von Mexico aus und verpestete Riesenmengen Meerwasser. Aber, auch wenn viele Amerikaner deutlich konservativer sind als wir: Die gleichgeschlechtliche Ehe ist hier in den meisten Staaten erlaubt – da sind sie uns also deutlich voraus.

So oder so habe ich mich hier wirklich eingelebt. Für mich sind die Unterschiede zwischen Hamburg und Omaha ein Stück weit Normalität geworden. Ich glaube, ich werde wahrscheinlich einen Kulturschock bekommen, wenn ich zurückkomme. Die Menschen hier sind einfach so anders – im Guten wie im Schlechten. Wohnen möchte ich hier zwar immer noch nicht, werde aber gerne immer wiederkommen. So langsam bekomme es daher auch mit derselben Abschiedsangst zu tun, wie vor meinem Aufbruch nach Omaha.

Jedem Schüler empfehle ich, ein Auslandsjahr zu machen, wenn er oder sie die Möglichkeit dazu hat. Man lernt sich selbst besser kennen und man lernt Menschen besser kennen.

Liebe Grüße aus Omaha,

 

Marlena

P.S.: Im Nachklang zu meinem letzten Blog-Eintrag habe ich noch einmal ein Bild von meinem  mitgeschickt.

160607 - Marlena 13-2

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