„We’re from America“

Ich traue es mich gar nicht, es hier so zu sagen, aber ich höre ganz gerne Marylin Manson (Musiker und Schockrocker – skandalöse Songtexte über Religion, Drogen, Sex… etc.), der wird hier in Amerika natürlich nicht sehr gern gehört wird. Wie auch immer, ich muss ziemlich häufig an einen Song von ihm denken. Dieser Song heißt „We’re from America“ (Wir sind aus Amerika). Dieser Song kritisiert Amerika auf‘s Schärfste und spricht alle unangenehmen Aspekte an. Für mich persönlich muss ich jedoch sagen, dass dieser Song es ganz gut auf den Punkt bringt. Gerade zurzeit habe ich mir hier einiges anhören müssen über Politik und Terror, wobei es mir doch eiskalt den Rücken heruntergelaufen ist. Ich habe mal drei Zeilen aus dem Song rausgesucht, um zu zeigen, worüber ich hier gerade so schreibe:

“We don’t believe in credibility, because we know that were ****ing incredible
I want to be a martyr don’t want to be a victim,
Be a killer with a gun so they call me a hero”

(Wir glauben nicht an Glaubwürdigkeit, weil wir wissen, dass wir ****ing unglaublich sind. Ich möchte ein Märtyrer sein und kein Opfer. Bin ein Killer mit einer Waffe, damit sie mich Held nennen.)

Was gibt es besseres für einen Amerikaner als Amerika? Normalerweise nichts. Die meisten – nicht alle – Amerikaner sind tatsächlich ziemlich überzeugt von ihrem Land und dem, was sie so glauben zu wissen. Und was ich auch ziemlich interessant finde ist, dass tatsächlich für die meisten nichts wichtig ist. Amerika beschränkt sich auf Amerika.

Hier wird natürlich wie wild über Terroranschläge und Flüchtlinge geredet. 10.000 Flüchtlinge mehr soll Amerika nächstes Jahr bekommen (Quelle ist von einem Lehrer) – dass ich mir da ein leises Lachen nicht verkneifen konnte, kann man wohl nachvollziehen. Nun bin ich hier heute auch schon das erste Mal richtig wütend geworden, als ich mir so manche Einstellung gegenüber Flüchtlingspolitik anhören durfte:

„Die Muslime wollen doch nur die Christen töten.“

„Wir sollte in den Nahen Osten und die S****e aus denen herausballern.“ (Das ist noch die harmloseste Übersetzung.)

„Flüchtlinge nach Amerika? Ich will keine Muslime hier haben! Nachher sind die alle Terroristen.“

“Das ist Europas Problem.” Und das war dann der Satz, wo ich mich eingemischt habe und mal wütend nachgehabt habe, wo denn die USA liegt. „Amerika“, kam zurück, also habe ich noch einmal nachgehackt. „Okay, wo liegt Amerika?“ Da ich nur ein verwirrtes Gesicht zurückbekam, löste ich schließlich auf, worauf ich hinaus wollte: „Amerika ist auf der Erde.“ Als ich meinte, dass es egoistisch und, meines Erachtens, unglaublich bescheuert ist, sowas zu sagen, wurden die Augen meiner Mitschülerin aber groß. Ein Lehrer-Praktikant, der in Deutschland für zwei Jahre gelebt hat und ein großes Interesse an Politik hat, stimmte mir dann zu. Für alle, die mal Amerika besuchen wollen: Amerikaner haben es überhaupt nicht gerne, wenn man sie direkt kritisiert!

Ich möchte gar nicht so negativ klingen. Ich glaube, die Amerikaner haben einfach unglaublich große Angst vor Terroranschlägen, was ich ja auch verstehen kann jedoch schießen hier ein paar dann doch sehr weit über‘s Ziel hinaus.

Ich bin ziemlich froh darüber, dass meine Gasteltern das Ganze schon ein bisschen anders betrachten.

Naja so berichte ich mal wie hier damit umgegangen wird.

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